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25. Juli 2005, 22:13 Uhr, lebenstraumsammler

Einfacher

Das Leben wäre vielleicht einfacher,
wenn es wäre, vielleicht einfacher.
Wenn ich ich dich nicht angesprochen,
dich nicht angerufen, dich nicht geküsst hätte.

Weniger Tod jedesmal, weniger See sein,
weniger ertrinken in dir,
jedesmal und ein Mal mehr, dann, wenn
wir uns nicht mehr sehen und uns dann nicht mehr trennen. Alles ohne Sinne, ohne mehr zu wissen.

Ohne zu wissen, woher diese Sehnsucht kommt,
dich mich sticht wie Sonne aus der Dose
Und ich sterbe, fast, vor Übertreibung und dem Fehlen von dir, ich dann nur noch dich will, nicht einmal mehr mehr mich,
dies im Jetzt oder wenigstens im nächsten Augenblick.

Hast du die Bilder noch im Kopf? Sag’s mir nicht. Nicht nur weil ich nicht betroffen sein will.

Mein Leben wäre vielleicht einfacher.

Ich würde weniger schwer atmen.
Würde weniger leiden statt fliessen.

Das Leben, jenes, wäre vielleicht einfacher,
wenn ich dich nicht getroffen hätte.

Es wäre nur nicht mein Leben.

Umgeschrieben nach einer Inspiration von Erich Fried, 25. Juli 2005

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26. Mai 2004, 13:43 Uhr, lebenstraumsammler

Liebeenden

Teil 1 (Fragezeichen)
Wer will schon, mit den traurigen dieser Welt, Hand in Hand, wer will schon. Wer steht schon seinen Menschen, wenn er mies gelaunt irrt, in ihm, die Krater grösser werden. Wer mag schon auf das Echo warten, wer mag schon mögen.

Teil 2 (Aufbau von Wut)
Die Worte fallen weigerlich, immer wieder mit dem gleichen Ton. Knapp entwischt, was kaum erfasst, ein Ist, alles, nur nicht erkannt.

Teil 3 (Persönlich werden)
Du denkst ich sei verrückt, ein wenig zu stark abgedriftet, zu wenig Vertrauen in meine Logik.

Teil 4 (Faziterus)
Auf der kleinen Oberfläche bleibt nur wenig Platz für grosse Gefühle, der Status frisst, von unten Löcher in alles hinein. Schwachsinnig, so viele Gefühle für so wenig Tiefgang.

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24. Dezember 2003, 17:12 Uhr, lebenstraumsammler

Schweizbrüchige

Warten bis die Sonne untergeht, bis der Mückenschwarm in die Seele einbricht und das Gift vernichtet. Enten möchten Schwäne sein, nur nicht weiss, nur nicht weiss. Erwarten, dass der Himmel sich im Wasser spiegelt, nur keine Wellen mehr, bitte keine Wellen. Staunen, weil die weissen Segel am Horizont gelb werden, in Bewegung verstummen vor Windesglück. Mittrinken, da das Bier in alle Münder fliesst, nur Alkohol kann jetzt noch unser Retter sein. Ein Wettkampf, wer noch kritischer Schauen kann, noch verbitterter als Kinde untergeht. Alles nur ein kleiner Anflug von Hilflosigkeit, nichts ernstes. Bürger die scheinbar schauspielern, so gut, dass wir alle stolz wären ihre Freunde zu sein. Ein Sandwiche essender Haufen, ohne Stil, ohne Paddel, verloren im Ruderboot. Mit Unworten reden, totgeboren leben. Sammeln der Schilder um ein besserer Bürger, Schweizbrüchiger, zu sein.

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12. September 2003, 23:52 Uhr, lebenstraumsammler

Auszug aus uns

Ich sei unsicher beim rauchen, sagt sie und zündet sich eine Zigarette an. Ich schaue zur Decke, suche die Wahrheit. Weiss sei mir immer schon gut gestanden und ob es meiner Mutter wieder besser gehe, fragt mich ihr Mund, ihr Gesicht spiegelt sich in meinem. Es ist still. Das Restaurant ist leer für seine Fülle. Menschen bauen oft zu gross. Warum ich mich nicht mehr daran erinnere und warum ich heute so schweigsam sei, muss ich noch ertragen. Es sei schön gewesen sie zu sehen, finde ich. Wir zahlen, bleiben sitzen, weitere Momente lang, manchmal ist es schwer Schluss zu machen. Nur damals war es das nicht. Meine Gedanken schweifen: An diesem Platz wir uns geküsst, an diesem Bahnhof wir uns getrennt, in diesem Leben wir uns verloren haben.
Merker kommt rein, motzt, im Raum füllt sich die Fülle mit Gestank. Merker arbeitet. Mit dem TGV sei er gefahren, direkt ins grosse Paris, dort flanierte er da und dort und danach heim, wieder mit dem TGV. Vom Zürcher Hauptbahnhof dann zurück nach St. Gallen und mit dem Postauto weiter nach Gossau, sei er und dem Buschauffeur habe er auch von Paris erzählt, genau wie ihnen dreien, damals 1978. Und jetzt würde er ihnen einen zahlen, was er auch täte, hätte er Geld.
Nuras Gesicht lächelt, wir hören den drei Saufkumpanen zu, besser als beim Reden zu Schweigen. Meinen Grossen wolle ich der kleinen Welt zeigen, entschuldige ich mich Richtung Toilette und beim pinkeln denke ich noch, es so zu sagen sei ein wenig offensiv und beim Blick nach unten glatt gelogen. Wir hätten zwar schon bezahlt, aber ob ich trotzdem noch etwas wolle, fragt sie mich nach dem Abtröpfeln und Hände waschen.
Ich wolle nichts was sie mir geben könne und damit ist alles aus.

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02. September 2003, 17:12 Uhr, lebenstraumsammler

Stillgelebt

Wie stillgelebt wir doch geworden sind, das laute Schreien hat uns leise gemacht, weil wir in den Ohren der anderen nichts mehr zu sagen haben. Wir sind Banker, Schwangere, Hornusser. Wir erschaffen die Kunst mit Unwirklichkeit, sind pausenlos auf der Suche nach dem Kontext, steigen lieber nicht auf’s Dach dafür einmal mehr ins Internet. Wir fahren ans Meer, weil das Meer nicht zu uns fährt, sind schöner mit Gel im Haar, interessanter, weil wir nicht hinsehen. Wir hören in den Nachrichten was wir von der Welt nicht wissen, erwürgen uns mit dem kürzen unserer Tage, verwischen unsere innere Ruhe mit Drang für Stall und Ausritt. Wir sind Zürcher, Bieler, Hinwiler. Wir versuchen schwierig zu sein, zu lügen, die Wahrheit war früher. Wir nehmen Wohnungen, Drogen, mit Musik hört sich alles besser an. Wir sind stille Hasen, arme Schweine. Wir steigen auf Bühnen, verschieben Mittelpunkte, setzen neue Sitzreihen, damit die Nähe nicht so schmerzt. Wir fliegen heim, grinsen uns durch Passkontrollen, haben nicht einmal mehr unsere Seele zu verzollen. Wir sind Gian, Ursula, Wannenmacher. Wir investieren für den Morgen, sterben noch heute Nacht. Wir essen Salsa mit Paprika, Joghurt mit Senf. Kurz waren wir glücklich und schon sind wir wieder nur ein wenig zufriedener.

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02. September 2003, 17:09 Uhr, lebenstraumsammler

Drei Falten

Die Art, das Lächeln, der Prozess.
Der Mut, die Hoffnung, die Lage, die Niederlage.
Das Herz, der Schmerz, die Wollust.
Der Sieg, der Krieg, die Spiele.
Die Menschen, die Götter, die Lesben.
Das Halten, das Walten, der Kuss - für immer.

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